____ _ _ _ _
| _ \ ___ | |_ (_) _ __ ___ __| | (_) __ _
| |_) | / _ \ | __| | | | '_ \ / _ \ / _| | | | / _ |
| _ < | __/ | |_ | | | |_) | | __/ | (_| | | | | (_| |
|_| \_\ \___| \__| |_| | .__/ \___| \__,_| |_| \__,_|
|_|
- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b- `b
ÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻÂŻ
Schwefeldioxid
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
top
Schwefeldioxid (SO2) ist eine anorganische chemische Verbindung aus Schwefel und Sauerstoff sowie das Anhydrid der Schwefligen SĂ€ure (H2SO3). Schwefeldioxid ist als MolekĂŒl gewinkelt aufgebaut, die Atome werden kovalent durch Doppelbindungen zusammengehalten. Unter Normalbedingungen ist Schwefeldioxid ein farbloses, schleimhautreizendes, stechend riechendes und giftiges Gas. Es ist sehr gut (physikalisch) wasserlöslich und bildet mit Wasser in sehr geringem MaĂe Schweflige SĂ€ure.
Es entsteht unter anderem bei der Verbrennung von schwefelhaltigen fossilen Brennstoffen wie Kohle oder Erdölprodukten, die bis zu 4 Prozent Schwefel enthalten. Auch Biomasse enthĂ€lt je nach Herkunft teils erhebliche Mengen Schwefel, da dieser ein Mengenelement in allen bekannten Lebewesen ist, wodurch bei Verbrennung ebenfalls Schwefeldioxid entsteht. Dadurch trĂ€gt es in erheblichem MaĂ zur Luftverschmutzung bei. Es ist der Grund fĂŒr sauren Regen, wobei das Schwefeldioxid zunĂ€chst von Sauerstoff zu Schwefeltrioxid oxidiert wird und dann mit Wasser zu SchwefelsĂ€ure (H2SO4) umgesetzt wird.cite-ref-howi-9-0[9] Um den Eintrag von Schwefeldioxid zu verhindern, gibt es verschiedene Verfahren zur Rauchgasentschwefelung. Zudem findet sich Schwefeldioxid im Umfeld von Hochtemperaturgebieten und aktiven Vulkanen.cite-ref-10[10]
In vielen IndustrielĂ€ndern werden Erdöl und Erdgas sowie deren Produkte vor der Verbrennung von Schwefel befreit, meist durch ein Verfahren namens Hydrodesulfurierung. Auch Biogas wird vor der Nutzung behandelt, um den enthaltenen Schwefelwasserstoff zu entfernen (Biogasaufbereitung). Das sorgt fĂŒr ein sichereres und weniger schĂ€dliches Produkt. Die Kosten dieser Verfahren können oft durch die Weiterverwendung des gewonnenen Schwefels in der chemischen Industrie ausgeglichen werden. Im Gegensatz dazu ist REA-Gips, der bei der Rauchgasentschwefelung entsteht, vergleichsweise gĂŒnstig, deckt aber kaum die Kosten der Entschwefelung.
Contents
âą Herstellung
âą Eigenschaften
âą Verwendung
âą Aufbewahrung
⹠Akute ToxizitÀt
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Herstellung
Schwefeldioxid kann durch verschiedene Verfahren hergestellt werden, oft als Zwischenprodukt fĂŒr die Herstellung von Schwefeltrioxid fĂŒr die Sulfonierung oder Sulfatierung sowie die Herstellung von SchwefelsĂ€ure. Dazu wird Schwefel mit einer Temperatur von etwa 150 °C in einen Verbrennungsofen eingespritzt und mit getrockneter Luft verbrannt.
S + O 2 â¶ â¶ S O 2 {\displaystyle \mathrm {S+O_{2}\ \longrightarrow \ SO_{2}} }
Im Claus-Prozess wird Schwefelwasserstoff zu Schwefeldioxid verbrannt. In weiteren Schritten reagiert das entstandene Schwefeldioxid mit zusÀtzlichem Schwefelwasserstoff zu elementarem Schwefel und Wasser.cite-ref-steudelr-11-0[11]
2 H 2 S + 3 O 2 â¶ â¶ 2 H 2 O + 2 S O 2 {\displaystyle \mathrm {2\ H_{2}S+3\ O_{2}\ \longrightarrow \ 2\ H_{2}O+2\ SO_{2}} }
2 H 2 S + S O 2 â¶ â¶ 3 S + 2 H 2 O {\displaystyle \mathrm {2\ H_{2}S\ +\ SO_{2}\longrightarrow 3\ S+\ 2\ H_{2}O} }
4 F e S 2 + 11 O 2 â¶ â¶ 2 F e 2 O 3 + 8 S O 2 Î Î H < 0 {\displaystyle \mathrm {4\;FeS_{2}+11\;O_{2}\ \longrightarrow \ 2\;Fe_{2}O_{3}+8\;SO_{2}} \qquad \Delta H<0}
Aus Sulfiten und Kaliumdisulfit wird Schwefeldioxid durch stÀrkere SÀuren freigesetzt.
N a 2 S O 3 + 2 H C l â¶ â¶ 2 N a C l + H 2 O + S O 2 {\displaystyle \mathrm {Na_{2}SO_{3}+2\;HCl\ \longrightarrow \ 2\;NaCl+H_{2}O+SO_{2}} }
K 2 S 2 O 5 + 2 H C l â â 2 K C l + 2 S O 2 + H 2 O {\displaystyle \mathrm {K_{2}S_{2}O_{5}\ +\ 2\ HCl\ \rightarrow \ 2\ KCl\ +\ 2\ SO_{2}\ +\ H_{2}O} }
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Schwefeldioxid hat eine relative Gasdichte von 2,26 (DichteverhĂ€ltnis zu trockener Luft bei gleicher Temperatur und gleichem Druck) und eine Dichte der flĂŒssigen Phase am Siedepunkt von 1,458 kg/l. Die Gasdichte unter Normalbedingungen (0 °C, 1013 mbar) betrĂ€gt 2,9285 kg·mâ3, bei einer Temperatur von 15 °C und einem Druck von 1 bar hingegen 2,728 kg·mâ3. Die kritische Temperatur liegt bei 157,5 °C, der kritische Druck bei 78,8 bar und die kritische Dichte erhĂ€lt den Wert 0,525 g·cmâ3. Am Tripelpunkt liegt eine Temperatur von â75,5 °C und ein Druck von 16,7 mbar (12,56 Torr) vor.cite-ref-12[12]
Chemische Eigenschaften
Schwefeldioxid ist ein farbloses, stechend riechendes und korrodierendes Gas. Es löst sich gut in Wasser, wobei eine schwach saure Lösung entsteht. Des Weiteren wirkt Schwefeldioxid als Reduktionsmittel.cite-ref-riedel-13-0[13]
Das Schwefeldioxid-MolekĂŒl kann durch zwei mesomere Grenzstrukturen beschrieben werden:
Hierbei werden die beiden Ï-Bindungen (zwei SâO-Bindungen) und das freie Elektronenpaar am S-Atom von dem s- und den zwei p-Orbitalen des S-Atoms gebildet. Die Ï-Bindung ist ĂŒber das gesamte MolekĂŒl delokalisiert (Mehrzentren-Ï-Bindung).cite-ref-riedel-13-1[13]
MolekĂŒlgeometrie
GemÀà dem VSEPR-Modell ist das Schwefeldioxid-MolekĂŒl gewinkelt gebaut. Daraus resultiert ein Bindungswinkel (OâSâO) von 119,5°. Die beiden SâO-Bindungen sind mit einer BindungslĂ€nge von 143 pm gleich lang und damit sehr kurz.cite-ref-riedel-13-2[13]
Schwefeldioxid besitzt als MolekĂŒlsymmetrie die Punktgruppe C2v.cite-ref-riedel-2-14-0[14]
Verwendung
FlĂŒssiges Schwefeldioxid löst zahlreiche Stoffe und hat sich daher als wertvolles aprotisch-polares Lösungsmittel etabliert.
In der Lebensmittelindustrie findet Schwefeldioxid als Konservierungs-, Antioxidations- und Desinfektionsmittel Verwendung, vor allem fĂŒr TrockenfrĂŒchte, Kartoffelgerichte, FruchtsĂ€fte, Marmelade und Wein. Wein- und BierfĂ€sser werden zur Desinfizierung vor der Verwendung durch Behandlung mit SO2-Gas ausgeschwefelt.cite-ref-15[15]
Schwefeldioxid zerstört das Vitamin B1; ebenso finden sich in Laborversuchen Hinweise auf eine Zerstörung von B12-Vitaminen.cite-ref-16[16] In der EU ist es als Lebensmittelzusatzstoff der Nummer E 220 auch fĂŒr Bio-Produkte zugelassen. Es dient auch zur Herstellung von Sulfurylchlorid SO2Cl2 und Thionylchlorid SOCl2. In der Sulfochlorierung dient es zur Herstellung von Tensiden.
Ferner ist Schwefeldioxid ein wichtiges Edukt zur Herstellung von Schwefeltrioxid, um anschlieĂend konzentrierte SchwefelsĂ€ure z. B. mit dem Kontaktverfahren herzustellen.
Schwefeldioxid dient auch zur Herstellung von vielen Chemikalien, Medikamenten und Farbstoffen und zum Bleichen von Papier und Textilien. Es lÀsst Tinte verblassen.
Aufbewahrung
Schwefeldioxid wird in der Industrie meist aus Druckgasflaschen bezogen und wird hĂ€ufig zur Temperierung in der Produktionsumgebung, also in InnenrĂ€umen aufbewahrt, oft auch direkt neben Thermoprozessanlagen.cite-ref-0-18-0[18] Im Rahmen der GefĂ€hrdungsbeurteilung ist fĂŒr die Aufbewahrung von Schwefeldioxid gemÀà § 5 Arbeitsschutzgesetz und § 6 GefStoffV zu ermitteln, ob sich durch die Lagerung von Gefahrstoffen GefĂ€hrdungen fĂŒr die BeschĂ€ftigten oder andere Personen ergeben können.
FĂŒr die Aufbewahrung von Schwefeldioxid gelten (in Deutschland) insbesondere folgende Vorschriften:
⹠TRGS 510 Lagerung von Gefahrstoffen in ortsbeweglichen BehÀltern
âą TRBS 3145 / TRGS 745 Ortsbewegliche DruckgasbehĂ€lter â FĂŒllen, Bereitstellen, innerbetriebliche Beförderung, Entleeren
âą TRBS 3146 / TRGS 726 Ortsfeste Druckanlagen fĂŒr Gase
Zum Gesundheitsschutz der Mitarbeiter und um den Anforderungen des Arbeitsschutzgesetzes zu entsprechen, sind Schwefeldioxid-Flaschen daher in einer geeigneten Aufbewahrungseinrichtung aufzubewahren. Geeignet dafĂŒr ist der entsprechend ausgestattete Sicherheitsgasflaschenschrank, dessen besondere Ausstattung fĂŒr die Schwefeldioxid-Aufbewahrung aus folgenden wesentlichen Komponenten besteht:
âą Der Sicherheitsschrank an sich fĂŒr eine oder mehrere Schwefeldioxid-Flasche(n) und eine Stickstoffgas-Flasche. Dabei sind oft zwei Flaschen Schwefeldioxid fĂŒr den Betrieb und die automatische Umschaltung vorgesehen. Eine Flasche steht im Schrank zum Vortemperieren, aus der zweiten Flasche wird das Gas zur Verwendung entnommen. Die Stickstoffgas-Flasche dient der Versorgung der SpĂŒleinrichtung fĂŒr den sicheren Flaschenwechsel. Der Sicherheitsschrank wird als feuerhemmender Schrank ausgefĂŒhrt, da das unter Druck stehende Gas bei ErwĂ€rmung explodieren kann und dann schwere VerĂ€tzungen der Haut und schwere AugenschĂ€den verursacht. Der Schrank sollte abschlieĂbar sein, da das Sicherheitsdatenblatt fĂŒr Schwefeldioxid âP405 - Unter Verschluss aufbewahrenâ vorgibt.
âą Schwefeldioxid -Druckregelstation aus Edelstahl mit automatischer Umschaltung zur unterbrechungsfreien Medienversorgung. Die Schwefeldioxid-Gasflaschen werden mit Edelstahlwellschlauch angeschlossen. Die verwendeten Armaturen mĂŒssen aus Edelstahl sein, da Schwefeldioxid mit Luftfeuchtigkeit zu SchwefelsĂ€ure (H2SO4) umgesetzt wird.
⹠Ein automatisches Absperrmagnetventil ermöglicht die Absperrung der Schwefeldioxid-Prozessleitung zur Verwendungsstelle bei Not-Aus-BetÀtigung oder bei Gas-Alarm.
⹠Der Gaswarnsensor im Sicherheitsschrank, ggfs. mit zusÀtzlichen weiteren Gaswarnsensoren in der NÀhe der Verwendungsstellen, erzeugt den Gas-Alarm mit optischem und akustischem Signal.
âą FremdbelĂŒftung mit Ventilator zur manuellen BetĂ€tigung durch den Benutzer und automatischen Auslösung bei Ansprache der Gaswarneinrichtung. Meist ist der LĂŒftungsauslass an ein LĂŒftungssystem angebunden, damit die Gase nicht in die Produktionsumgebung entweichen.
Mit dieser speziellen Ausstattung des Schwefeldioxid-Schranks werden BeschĂ€ftigte sicher vor der Gefahr zu hoher Schwefeldioxid-Konzentration in Atemluft sowie vor VerĂ€tzungen bei UnfĂ€llen geschĂŒtzt.cite-ref-0-18-1[18]
Einsatz in Konzentrationslagern
Bei Experimenten mit Giftgasen, die im kroatischen KZ Stara GradiĆĄka durchgefĂŒhrt wurden, wurde neben Zyklon B auch Schwefeldioxid an serbischen, jĂŒdischen und Roma-Frauen sowie Kindern eingesetzt.cite-ref-19[19]
Umweltverschmutzung
Schwefeldioxid schĂ€digt in hohen Konzentrationen Mensch, Tiere und Pflanzen. Die Oxidationsprodukte fĂŒhren zu âsaurem Regenâ, der empfindliche Ăkosysteme wie Wald und Seen gefĂ€hrdet sowie GebĂ€ude und Materialien angreift. Dazu zĂ€hlt auch die SchwĂ€chung von Forstpflanzen, die nach auĂerordentlichen Wintern stĂ€rkere FrostschĂ€den erleiden als vergleichbare Pflanzen in weniger belasteten Gebieten.cite-ref-20[20] Die SO2-Emissionen der entwickelten Industriestaaten konnten jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten durch die Nutzung schwefelarmer bzw. schwefelfreier Brenn- und Kraftstoffe und mittels Rauchgasentschwefelung stark reduziert werden.
Von allen VerkehrstrĂ€gern leistet der internationale Schifffahrtsverkehr den höchsten Emissionsbeitrag. 2019 wurde eine Studie von Transport and Environment veröffentlicht, welche zeigt, dass allein die Kreuzfahrtschiffe von Carnival im Jahr 2017 etwa zehnmal so viele Schwefeloxide entlang Europas KĂŒsten ausgestoĂen haben wie alle Personenkraftwagen (ĂŒber 260 Millionen) in Europa zusammen.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22] Das Max-Planck-Institut fĂŒr Meteorologie konnte im Rahmen einer Studie zeigen, dass in der Umgebung der stark frequentierten SeehĂ€fen Rotterdam, Antwerpen und Milford Haven eine erheblich dichtere Wolkendecke herrscht als im Umland. Schwefeldioxid und Stickoxide wirken als Kondensationskeime und regen die Wolkenbildung an. Die durch diese Wolkendecke verstĂ€rkte Albedo fĂŒhrte zu einer Verringerung der Sonneneinstrahlung in den darunterliegenden Gebieten.cite-ref-23[23]
Seit dem 1. Januar 2020 liegt der von der IMO festgelegte maximal zulĂ€ssige Schwefelgehalt im Brennstoff fĂŒr Schiffe bei 0,5 Prozent. Dabei kann der Grenzwert jedoch auch durch den Einsatz von Scrubbern zur Abgasnachbehandlung eingehalten werden.cite-ref-24[24] Diese Grenze gilt auch fĂŒr kalifornische KĂŒstengewĂ€sser.cite-ref-25[25] In der Ost- und Nordsee gibt es Schwefelemissions-Ăberwachungsgebiete (engl. SECA), in denen der Grenzwert seit dem 1. Januar 2015 0,1 Prozent betrĂ€gt. AuĂerhalb dieser Gebiete muss ein Grenzwert von 0,5 Prozent eingehalten werden, wobei auch hier der Einsatz von Scrubbern zulĂ€ssig ist, um die Emissionen entsprechend zu verringern.cite-ref-26[26] Es wird vermutet, dass der gesunkene AusstoĂ von Schwefeldioxid in der Schifffahrt ein Faktor ist, der zum beschleunigten Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur beigetragen hat, der in den Jahren 2023 und 2024 beobachtet werden konnte.cite-ref-27[27]
Auch global kann Schwefeldioxid durch Erhöhung des Aerosolgehalts zur TrĂŒbung der AtmosphĂ€re beitragen, etwa nach starken VulkanausbrĂŒchen, und damit zur KĂŒhlung des Planeten fĂŒhren.
Sicherheitshinweise
Akute ToxizitÀt
Schwefeldioxid ist giftig und Ă€tzend. Es wird, vorwiegend an den SchleimhĂ€uten, zur Schwefligen SĂ€ure umgesetzt, wodurch die Ă€tzende Wirkung ausgelöst wird. Ab einer Konzentration von 8â10 ppm kommt es zu Reizungen der AugenschleimhĂ€ute, die sich mit steigender Konzentration verstĂ€rken. Ab 400 ppm besteht die Möglichkeit von SchĂ€digungen der Hornhaut, solche Konzentrationen gelten bereits als lebensgefĂ€hrlich. Teilweise sind diese Wirkungen auf das Auge reversibel.cite-ref-gestis-2-6[2]
Bei ungewohnten Personen tritt ab 5 ppm eine Reizwirkung auf die oberen Atemwege auf, Asthmatiker reagieren bereits bei 0,5 ppm (500 ppb) empfindlich. Die Reizwirkung von Schwefeldioxid auf die Atemwege gilt ab 20 ppm als ausgeprĂ€gt, ab 50 ppm zeigen sich schwerwiegende Symptome wie Atemnot, Husten und Schmerzen. Ab 100 ppm besteht akute Lebensgefahr. Bei hoher Exposition gegenĂŒber Schwefeldioxid kann es zu EntzĂŒndungen am Kehlkopf und an den Bronchien kommen. Auf die Haut wirkt Schwefeldioxid erst bei sehr hohen Konzentrationen wie 10.000 ppm (1 %) reizend.cite-ref-gestis-2-7[2]
Chronische ToxizitÀt
Bei langfristiger Exposition gegenĂŒber Schwefeldioxid wurden bei Konzentrationen von 30â100 ppm chronische Reizungen, EntzĂŒndungen der Atemwege sowie BeeintrĂ€chtigung des Geruchssinns beschrieben. Studien zur langfristigen Exposition gegenĂŒber Schwefeldioxid und möglicherweise damit verbundenen Erkrankungen zeigen keine einheitlichen Ergebnisse. AuĂerdem gibt es keine Hinweise fĂŒr eine sensibilisierende Wirkung von Schwefeldioxid auf die Atemwege und die Haut.cite-ref-gestis-2-8[2] Chronische Exposition kann durch die Zerstörung des fĂŒr die Blutbildung wichtigen B12-Vitamins zu AnĂ€mie fĂŒhren.
Es liegen keine ausreichenden Hinweise fĂŒr eine krebserregende oder mutagene Wirkung von Schwefeldioxid vor.cite-ref-gestis-2-9[2] Die Internationale Agentur fĂŒr Krebsforschung stuft Schwefeldioxid in Gruppe 3 ein (nicht klassifizierbar hinsichtlich seiner KarzinogenitĂ€t beim Menschen).cite-ref-28[28] Eine reprotoxische Wirkung von Schwefeldioxid ist nicht zu erwarten, mit der Voraussetzung, dass der Arbeitsplatzgrenzwert eingehalten wird.cite-ref-gestis-2-10[2]
Gefahrenbewertung
2021 hat die Weltgesundheitsorganisation ihre LuftgĂŒte-Richtlinie nach unten hin angepasst. Die neue Empfehlung bei Schwefeldioxid liegt bei 40 ”g/m3 im 24-Stunden-Mittel.cite-ref-29[29]
Weblinks
Commons
: Schwefeldioxid
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Schwefeldioxid
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Globale Karte der aktuellen Schwefeldioxidverteilung.
Einzelnachweise
cite-note-e-nummer220-11. Eintrag zu E 220: Sulphur dioxide in der EuropĂ€ischen Datenbank fĂŒr Lebensmittelzusatzstoffe, abgerufen am 29. Dezember 2020.
cite-note-gestis-22. Eintrag zu Schwefeldioxid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 10. Februar 2025. (JavaScript erforderlich)
cite-note-pangas-32. Sicherheitsdatenblatt. (PDF) 21. Dezember 2021, abgerufen am 28. MĂ€rz 2023.
cite-note-crc90-9-52-43. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Dipole Moments, S. 9-52.
cite-note-crc90-10-254-54. David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Index of Refraction of Gases, S. 10-254.
cite-note-clp-100-028-359-65. Eintrag zu Sulphur dioxide in der Datenbank ECHA CHEM der EuropÀischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
cite-note-76. Schweizerische Unfallversicherungsanstalt (Suva): Grenzwerte â Aktuelle MAK- und BAT-Werte (Suche nach 7446-09-5 bzw. Schwefeldioxid), abgerufen am 16. Mai 2020.
cite-note-87. National Technical Information Service., AD-A148-952.
cite-note-howi-99. â A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. Auflage. Walter de Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-017770-1.
cite-note-1010. â Hans-Ulrich Schmincke: Vulkanismus. Wiss. Buchgesellschaft, Darmstadt 2000, S. 224 ff.
cite-note-steudelr-1111. â Ralf Steudel: Chemie der Nichtmetalle. de Gruyter, Berlin, 2013, ISBN 978-3-11-030439-8, S. 465â466.
cite-note-1212. â Giauque, W.F.; Stephenson, C.C.: Sulfur Dioxide. The Heat Capacity of Solid and Liquid. Vapor Pressure. Heat of Vaporization. The Entropy Values from Thermal and Molecular Data. In: Journal of the American Chemical Society. Band 60, Nr. 6, 1938, S. 1389â1394, doi:10.1021/ja01273a034.
cite-note-riedel-1313. â Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. 9. Auflage. Walter de Gruyter GmbH, Berlin 2015, ISBN 978-3-11-035526-0, S. 470.
cite-note-riedel-2-1414. â Erwin Riedel, Christoph Janiak: Anorganische Chemie. 9. Auflage. Walter de Gruyter GmbH, Berlin 2015, ISBN 978-3-11-035526-0, S. 238.
cite-note-1515. â SCHWEFELDIOXID FLĂSSIG. Grillo-Werke AG, abgerufen am 9. November 2018.
cite-note-1616. â H.-D. Belitz, W. Grosch: Food Chemistry. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg 1999.
cite-note-1717. â Matthias BĂŒnck: GieĂeigenschaften. In: Andreas BĂŒhrig-Polaczek, Walter Michaeli, GĂŒnter Spur (Hrsg.): Handbuch Spanen. Hanser, MĂŒnchen 2014, S. 36.
cite-note-0-1818. â SO2 Schrank zum Gesundheitsschutz. In: LT Gasetechnik. 26. Oktober 2016 (lt-gasetechnik.de [abgerufen am 12. April 2017]).
cite-note-1919. â Michele Frucht Levy: âThe Last Bullet for the Last Serbâ - The Ustasa Genocide against Serbs 1941â1945. In: David M. Crowe (Hrsg.): Crimes of State Past and Present. Routledge, 2011, ISBN 978-0-415-57788-5, S. 71. (eingeschrĂ€nkte Vorschau in der Google-Buchsuche)
cite-note-2020. â Theodor Keller: FrostschĂ€den als Folge einer latenten ImmissionsschĂ€digung. In: Staub â Reinhalt. Luft. 38, Nr. 1, 1978, S. 24â26.
cite-note-2121. â One corporation to pollute them all. In: transportenvironment.org. 4. Juni 2019, abgerufen am 16. Juni 2019 (englisch).
cite-note-2323. â planet-erde.de: Dicke Luft am Meer
cite-note-2424. â Neuer Schwefelgrenzwert fĂŒr Seeschiffskraftstoffe. In: Umweltbundesamt.de. 15. Januar 2020, abgerufen am 20. Juni 2021.
cite-note-2525. â wiwo.de: Neuer Antrieb fĂŒr Schiffe (Memento vom 21. MĂ€rz 2008 im Internet Archive).
cite-note-2626. â Schiffsemissionen. In: bsh.de. Abgerufen am 20. Juni 2021.
cite-note-2727. â Robert Rohde: Global Temperature Report for 2024. In: Berkeley Earth. 10. Januar 2025, abgerufen am 12. Januar 2025 (amerikanisches Englisch).
cite-note-2828. â List of Classifications. Internationale Agentur fĂŒr Krebsforschung, abgerufen am 27. Mai 2025 (englisch).
cite-note-2929. â WHO: WHO global air quality guidelines: particulate matter (PM2.5 and PM10), ozone, nitrogen dioxide, sulfur dioxide and carbon monoxide.